Radio Hamburg

Fahrradbußgelder

Auch für Radfahrer*innen gilt die StVo

Hamburg, 16.07.2019
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Für Rad- und Autofahrer gilt die StVo. Für einen sicheren Verkehr muss jedoch eine andere Infrastruktur her!

Teil der Verkehrswende in Deutschland soll auch sein, dass die Bürger*innen auf kurzen Strecken eher zum Rad greifen, als zum Auto. Dabei kommt es zu Problemen, unter anderem auch, weil die Infrastruktur für gutes und sicheres Radfahren oft gar nicht gegeben ist. Autofahrer*innen und Radfahrer*innen, die aneinander geraten, sind teilweise auch Opfer verpasster Umstrukturierungen.

Rücksicht nehmen als oberstes Gebot

Gerade wenn die Infrastruktur nicht gegeben ist, muss besonders aufeinander Rücksicht genommen werden. Dieses Rücksicht nehmen und vorsichtig Fahren gilt laut StVo für alle Verkehrsteilnehmer. Besonders in der Pflicht sind hierbei aber wohl die Stärkeren, also Autos und LKW. Denn, wenn die Verkehrswende gelingen soll und mehr Menschen Rad fahren, muss sich Radfahren vor allem sicherer anfühlen. Das ergab eine Studie der Portland State University, aus der hervorgeht, dass mehr Menschen zum Rad greifen würden, wenn sie sich dabei sicherer fühlen könnten.

Dass es berechtigt ist, sich als Radfahrer*in nicht sicher zu fühlen, wird von einer Studie der deutschen Versicherer bestätigt. Bei der Studie kam heraus, dass Autos und LKW vielfach zu eng überholen. Ein Risiko, besonders für Radfahrer*innen.

1,5 Meter Abstand

Einige Gerichte haben auch schon Urteile dazu gefällt, wie weit der Abstand zwischen Auto und Fahrrad sein muss, wenn überholt wird. Das Oberlandesgericht Saarbrücken entschied, dass ein Mindestabstand von 1,50 Meter beim Überholen eines Radfahrers nötig ist. Wenn sich ein Kind auf dem Rad befindet oder das Überholen auch bei diesem Abstand zu gefährlich ist, muss das Auto noch mehr Abstand einhalten oder hinter dem Rad bleiben.

Aber auch Radfahrer können rücksichtsvoller mit anderen Verkehrsteilnehmern sein. "Rüpel-Radler" heißen die Radfahrer*innen, die ein besonders selbstbewusstes bis verkehrswidriges Fahren auszeichnet. Dieser Stereotyp klopft gegen Autos oder fährt riskant. Verwunderlich ist in diesem Fall, dass besonders Radfahrer*innen, die so fahren, weniger oft in Unfälle verwickelt sein sollen. Entspannter wird die Situation zwischen Radfahrer*innen und Autofahrer*innen so jedoch nicht. Außerdem kann so ein Fahrverhalten auch zu Bußgeldern führen. 

Bußgeldkatalog für Radfahrer

Beschilderten Radweg nicht benutzt (blaues Schild)  20 Euro 
… mit Behinderung 25 Euro
… mit Gefährdung 30 Euro
… es kam zum Unfall oder Sachbeschädigung 35 Euro
Beschilderten Radweg in falscher Richtung benutzt 20 Euro
… mit Gefährdung 25 Euro
… es kam zum Unfall oder Sachbeschädigung 35 Euro
Rechtsfahrgebot missachtet 15 Euro
… mit Behinderung 20 Euro
… mit Gefährdung 25 Euro
… es kam zum Unfall 30 Euro
Nebeneinander Rad fahren und dadurch andere behindert* 20 Euro
… mit Gefährdung 25 Euro
… es kam zum Unfall 30 Euro
Als Radfahrer das Zeichen 267 (Verbot der Einfahrt) missachtet 20 Euro 
… mit Behinderung 25 Euro
… mit Gefährdung 30 Euro
… es kam zum Unfall 35 Euro 
Freihändig fahren 5 Euro
Benutzen von Mobiltelefon ohne Freisprecheinrichtung 55 Euro
Fahrrad ohne Licht bzw. defektes Licht 20 Euro
… mit Gefährdung 25 Euro
… es kam zum Unfall oder Sachbeschädigung 35 Euro
Unerlaubtes Fahrradfahren auf dem Gehweg oder in der Fußgängerzone 15 Euro
… mit Behinderung 20 Euro
… mit Gefährdung 25 Euro
… es kam zum Unfall 30 Euro
Mit 1,6 Promille oder mehr Fahrrad fahren 3 Punkte + Geldstrafe + Anordnung einer MPU
Mit 0,3 Promille oder mehr fahrauffällig Fahrrad fahren Strafanzeige

*In Fahrradstraßen darf zu zweit nebeneinander gefahren werden. Ab 16 Fahrrädern gilt die Gruppe als Verband, im Verband darf auch nebeneinander gefahren werden.

Zusätzlich muss das Rad so ausgestattet sein, dass es immer gut erkennbar ist. Jedes Fahrrad braucht deswegen ein Licht nach vorne (weiß) und ein Rücklicht in rot. Hinzu kommen außerdem Reflektoren an den Reifen und Pedalen. Wie die Lichter am Rad betrieben werden ist dabei egal. Auch Akkus sind erlaubt. Nicht erlaubt ist, sich den Weg mit der Handytaschenlampe zu beleuchten. 

Übrigens der erste Paragraph der Straßenverkehrsordnung geht so: "Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht ".