Radio Hamburg

Mächtig Zoff um Koalitionsprojekt

Wie steht ihr zum autofreien Jungfernstieg?

Hamburg, 20.05.2020
Visualisierung autofreier Jungfernstieg

Bei ihren Koalitionsverhandlungen haben die SPD und Grüne vereinbart, den Autoverkehr in der Innenstadt verringern zu wollen. Der geplante autofreie Jungfernstieg stößt jetzt aber auch heftigen Widerstand.

Für Fahrradfahrer und Fußgänger klingt es ein wenig wie Utopie. Am Jungfernstieg sollen bald nur noch die HVV-Busse fahren dürfen. Für den restlichen Verkehr soll der kurze Abschnitt an den Binnenalster tabu sein und zu einer Flaniemeile werden. Vielleicht zu schön um wahr zu sein, denn jetzt schlägt dem Projekt aus vielen Ecken heftige Kritik entgegen.

Ziel: Weniger Autos in der Stadt

Erklärtes Ziel ist es schon länger den Autoverkehr nach und nach aus der Innenstadt zu drängen. Bei ihren Koalitionsverhandlungen haben sich SPD und Grüne nun auf eine Verringerung des Autoverkehrs in der Hamburger Innenstadt verständigt. Beide Seiten hätten dazu drei "Leitprojekte" definiert, sagte Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks am Montag (18.05.). Der Jungfernstieg an der Binnenalster und das angrenzende Passagenviertel sollen demnach möglichst autofrei werden. Durch die Einkaufsmeile Mönckebergstraße sollen weniger Buslinien führen. Die Busse sollen stattdessen durch die parallel verlaufende Steinstraße fahren. Die Umgestaltung dieser Straße werde das gesamte Kontorhausviertel, das seit 2015 zusammen mit Chilehaus und Speicherstadt Weltkulturerbe ist, attraktiver machen, erläuterte SPD Fraktionschef Dirk Kienscherf.

Alle sollen in die Planung einbezogen werden

Beide Politiker betonten, sie wollten alle Interessengruppen in die Planungen einbinden. "Es geht darum, die Stakeholder mitzunehmen", sagte Tjarks. Die Details der Planungen sollten nicht am grünen Tisch entschieden werden. Kienscherf kündigte eine "Stadtwerkstatt 2030" an, zu der auch die Bürger eingeladen werden sollen. Tjarks versicherte: "Die Innenstadt wird sich sehr substanziell verändern." Radfahrer und Fußgänger sollen mehr Platz bekommen. Durch bessere Querungen der Verkehrsachse Willy-Brandt-Straße sollten künftig Altstadt, Neustadt und die Hafencity für den Fußgängerverkehr integriert werden.

Herzensprojekt der Grünen

Im Wahlkampf hatten sich die Grünen für eine weitgehend autofreie Innenstadt ausgesprochen. Jetzt sollen die Parkhäuser weiter mit dem Auto erreichbar sein. Durch den Abriss der City-Hochhäuser könnten im Kontorhausviertel öffentliche Parkplätze wegfallen, sagte Kienscherf. Der Burchardtplatz nahe dem Chilehaus könne zum schönsten Platz Hamburgs werden. Doch gerade die Umgestaltung der Steinstraße sei sehr anspruchsvoll. Bei der Verlegung der Buslinien aus der Mönckebergstraße müssten alle Interessen berücksichtigt werden, auch die von Menschen mit Behinderungen. Zudem gehe es darum, den öffentlichen Nahverkehr durch den geplanten Hamburg-Takt zu verstärken. Tjarks verwies auf die laufenden Bauarbeiten zur barrierefreien Umgestaltung der U-Bahnstationen Mönckebergstraße und Rathaus. Das biete die Gelegenheit, den gesamten Busverkehr probeweise für mehrere Wochen aus der Einkaufsstraße herauszunehmen.

Projekt schlägt Gegenwind entgegen

Nach Bekanntwerden der Pläne werden nun aber mehr und mehr kritische Stimmen laut. Einzelhändler und Händler sehen die Pläne kritisch und fordern: Gerade nach der Coronakrise dürfen die Menschen nicht noch vom Besuch in der Stadt abgehalten werden. Andererseits sieht man die Anstrengungen die City aufzuwerten aber positiv an. Die Handwerkskammer fordert, dass der Lieferverkehr weiterhin normal fließen muss, damit die Geschäfte in der Innenstadt versorgt werden können. Dazu könnte man sich Lade- und Arbeitszonen vorstellen.

Was haltet ihr von dem Projekt?

Doch wie steht ihr zu dem Projekt? Großartige Aufwertung der Innenstadt oder gefährliche Entwicklung? Stimmt jetzt in unserem Trendcheck ab und sagt uns damit eure Meinung!

+++ Was weitere Verbände zu der Idee sagen und wie es jetzt weitergehen soll, hört ihr in unserem Nachrichtenpodcast. Hört doch mal rein! +++